Critical Mass – Kritische Masse
20 Jahre Stiftung Kunsthalle Bern: Die Sammlung
Carla Arocha, Knut Åsdam, Martin Creed, Anne Katrine Dolven, Ceal Floyer, Michel
François, Kay Hassan, Bethan Huws, Kim Sooja, Maria Lassnig, Mark Lewis, Christian
Marclay, Corey McCorkle, Chloe Piene, Pedro Cabrita Reis, Tracey Rose, Ilona Rüegg,
Eran Schaerf, Chen Shaoxiong, Stephanie Smith/ Edward Stewart, Yutaka Sone,
Thomas Struth, Luc Tuymans, Jan Vercruysse, Franz West, Rémy Zaugg.
Pressekonferenz: Mittwoch, 21. März, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 22. März, 18 Uhr
Dauer der Ausstellung: 23. März bis 20. Mai 2007
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag 10 – 17 Uhr
Dienstag 10 – 19 Uhr
Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag 10 – 17 Uhr
Critical Mass – Kritische Masse bezeichnet eine Anhäufung von Grundelementen zu
einer Anzahl, die einen plötzlichen, neuen Effekt bewirkt, oftmals ohne dass dieser
intendiert oder gesteuert war.
Gegründet 1987 von Kunstfreunden in Bern hat die Stiftung Kunsthalle Bern aus
mittlerweile zwanzig Jahren Ausstellungsaktivitäten der Kunsthalle Werke von
Gegenwartskunst angekauft. Die Kunsthalle zeigt anlässlich des Jubiläums eine
Auswahl der Ankäufe, als zeitliche Abfolge von vier Sequenzen zu jeweils zwei
Wochen.
Entgegen einer statischen „Ansammlung“ bedeutender Kunstwerke, die besticht durch
Umfang und Repräsentanz, schafft Critical Mass eine bewegte zeitliche Abfolge, in
welcher die Werke selbst die Gewichte und Bezüge bestimmen. Der zeitliche Aspekt
der Sammlung – als ein Extrakt von Kunstwerken aus einer Ausstellungsabfolge über
zwanzig Jahre hinweg – setzt sich fort; jedoch nicht geordnet als Chronologie, sondern
vielmehr als Narration und Interaktion.
Die Sammlung der Stiftung Kunsthalle Bern gerät in Bewegung und soll zugänglich
gemacht werden. Hierbei bildet die Präsentation der Werke nur einen von mehreren
Aspekten jener Offenlegung für das Publikum. Ebenso Lagerung, Installation und
Diskurs geschehen integriert in die Ausstellungssituation und bieten Möglichkeiten zur
Auseinandersetzung.
Die unteren Räume der Kunsthalle funktionieren dabei als Lager für sämtliche Werke,
welche im Verlauf der Ausstellung zur Installation gelangen, während in den oberen
Räumen die Ausstellungen präsentiert und umgebaut werden. Begleitend zur
Ausstellung finden in der Kunsthalle zahlreiche Rahmenveranstaltungen statt, die einen
regen und weiten Diskurs anstreben.
Die Ausstellung wird grosszügig unterstützt von REHAU, Kibag, der Stiftung
Kunsthalle Bern, Club 15, Stadt und Kanton Bern, Teleprogress.
23. März bis 1. April:
„Critical Mass“ eröffnet in einer verdunkelten Kunsthalle, als reine
Projektionsausstellung. Programmatisch für diese Ausstellungssituation lässt sich die
Arbeit „Ahead (film)“ aus dem Jahr 2000 des Künstlerduos Stephanie Smith und
Edward Stewart verstehen: Eine Autofahrt auf einer unbeleuchteten Landstrasse, bei
über weite Strecken ausgeschalteten Scheinwerfern. Eine Mutprobe und
Grenzerfahrung, welche als Projektionsinstallation gleichermassen auch die eigenen
Bedingungen und Möglichkeiten reflektiert. Verwundbarkeit und Selbstentgrenzung –
ebenfalls charakterischtische Erlebnisse in der Dunkelheit - finden sich in den Arbeiten
von Tracey Rose und Chloe Piene. Bei Tracey Rose in „TKO (Technical Knockout)“
von 2000 als ein erschöpfender Boxkampf ohne menschliches Gegenüber, in welchem
die Künstlerin, projiziert als mehrere sich überlagernde Perspektiven, schreiend und
stöhnend auf einen Punching Ball einschlägt. Die verlangsamt manipulierte Ton- und
Bildspur von „Blackmouth“ (2004) bei Chloe Piene lässt ein schreiendes Mädchen zur
sich windenden Kreatur und seine Laute zu groteskem Raubtiergebrüll werden. Michel
François erprobt in „Autoportrait contre nature“ (2001) die Verhältnisse von
künstlerischer Kreativität. Bedroht von fallenden, laut aufklirrenden Flaschen, schreitet
er Runden ab in Erwartung einer Inspiration. In „Needle Woman“ (2000) webt sich Kim
Sooja als „Nadel“ in das dichte Treiben der Grosstädte Tokyo, Shanghai, Delhi und
New York ein. Unbewegt mit dem Rücken zum Filmetrachter stehend, spaltet die
koreanische Künstlerin die vorbeiströmenden Menschenmengen. Mit Projektion als
Verweis auf die Filmwelt arbeitet „Jays’s Garden, Malibu“, 2001 von Mark Lewis. Ein
Pornofilmset in Kalifornien mit seiner perfektionierten Künstlichkeit eröffnet sich als
paradiesisch anmutender Garten und dessen tatsächliche DarstellerInnen inszenieren
als heiter-verspielten Reigen eine moderne Idylle.
3. April bis 15. April:
Viele der im zweiten Teil von „Critical Mass“ gezeigten Arbeiten reflektieren eine
reduzierte Welt, halten den Betrachter auf Distanz. Die Beiträge von Yutaka Sone
und Chen Shaoxiong präsentieren Maketten einer Wirklichkeit – übergross und
betörend Sones Schneeflocke „Snowflake“, 2006 aus Bergkristall, handgross als
Pappfiguren die Strassenszenen von Shaoxiong „Streets“ von 1997/ 1998. In der DVD-
Installation „Portrait with Cigarette“ (2000) von Anne Katrine Dolven blickt die junge
Frau unnahbar, stolz und der aufsteigende Rauch ihrer Zigarette weist, als vernebelnde
Geste, den Betrachter zusätzlich ab. Das portraitierte Kind in „Silence“ (1991) von Luc
Tuymans scheint in seiner Anwesenheit so weit als möglich zurückgenommen;
nurmehr die feinen Linienzüge eines Kopfes sind erkennbar auf der ansonsten weissen
Bildfläche. Das Tryptichon „Ice, I, II, III“ von 1992 wirkt mit seiner auf fotografischer
Vorlage beruhenden Abbildung eines Kastens mit Eiswürfeln, einer Türklinke und eines
Handschuhs als Dokumentation eines Ereignisses oder Sachverhalts, über dessen
Inhalt jedoch jeglicher Aufschluss entzogen ist. Die eigenen elementaren körperlichen
Erfahrungen sind es, welche Maria Lassnig in „Rosa Elektrizität oder: Elektrisches
Selbstportrait II“ von 1993 in eine Bildsprache übersetzt, deren Farben und Formen
sich zwischen Abstraktion und erkennbarer Körperlichkeit bewegen. Rémy Zauggs
Bildtafel „Fatigué“ von 1987 – 1999/ 2000 oszilliert in der Bezugnahme seiner
Auflistung von sechs Adjektiven aus dem Umfeld des Begriffes „Fatigué“ zwischen
einer Selbstreferenz des Kunstwerks – die Tafel selbst ist beinahe kontrastlos in
blassem Grau und Beige gehalten – und dem Ermüden, Erlöschen, Absterben des
menschlichen Körpers oder Geistes. Ungreifbar erscheinen, trotz präziser
Bildeinstellung, die Fotografien der Serien „Town Town“ (1996/ 2000) und „Fair Town“
(2001) von Ilona Ruegg; in den Raumgefügen aus Hell- Dunkel- Kontrasten von
nahezu geometrischer Strenge ist keinerlei menschliche Anwesenheit auszumachen.
Die Installation „Short- and Farsightedness“ (2003) von Kay Hassan häuft gebrauchte
Brillen an, welche in Hilfsprojekten aus dem Westen nach Südafrika überführt wurden.
Die Eingeschränktheit des Blicks verschiedener Standpunkte wird hier zum Thema.
17. April bis 29. April:
Skulpturale Installationen und Architektonische Inszenierungen nehmen die Kunsthalle
ein in der dritten Sequenz von „Critical Mass“. Pedro Cabrita Reis löst ein
architektonisches Element aus seinem ursprünglichen Zusammenhang. Die
funktionslos gewordene Treppe führt nirgendwo mehr hin und wird zum poetischen
Objekt einer geträumten Wirklichkeit. Einen zusätzlichen Raum erschafft die
Installation „Galerie“ von Franz West. Innerhalb von Stellwänden befindet sich ein
„Passtück“, ein Objekt, zu dessen Umgang den Besucher – auf dem Sofa sitzend – eine
Gebrauchsanweisung über Video orientieren soll. Corey McCorkle präsentiert mit
„Dandelion
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